Bindungsförderung

Zuvorderst steht die Emotionelle Erste Hilfe ganz im Zeichen der Bindungsförderung und des Schutzes der gesunden Anlagen in den Eltern und ihrer Kinder. Die Mütter und Väter in diesen Beratungen verfügen über gut entwickelte Ressourcen und sind in der Lage, die verschiedenen Gefühle in ihrem Körper zu erspüren und zu benennen. Das Ziel dieser Entwicklungsberatungen besteht darin, dass die Eltern präventiv darauf vorbereitet werden, wie sie sich und ihre Kinder in den verschiedenen Stress- und Belastungsmomenten - wie etwa auftretenden Schreiattacken der Babys - gut unterstützen können. Vorbeugend erlernen die Eltern unterschiedliche Methoden der Selbstanbindung (z. B. die Technik der Bauchatmung), um die Fähigkeit zur Regulation starker Emotionen und innerer Stresszustände zu verbessern. Ein weiteres Ziel dieses Vorgehens besteht darin, dass die Eltern frühzeitig geschult werden, die Zeichen des Kontaktverlustes in ihrem Organismus wahrzunehmen. Durch diese vermehrte Achtsamkeit gegenüber den Frühwarnsystemen und Feinzeichen ihres Körpers erfahren die Eltern, dass viele Störungen der Kommunikation und Beziehung zum Kind bereits im Beginn ihrer Entstehung erkannt und behoben werden können, bevor überhaupt ein tiefer gehendes Krisenerleben daraus entsteht.

Diese vorbeugenden Coachings zur Verbesserung der elterlichen Selbstanbindung lassen sich bereits gut in der Zeit der Schwangerschaft durchführen. In diesem Fall ist es optimal, wenn der werdende Vater in diesen Prozess der Schulung der körperlichen und emotionalen Feinfühligkeit von Beginn an mit einbezogen wird. Besonders schön ist, wenn bereits in der Schwangerschaft spezifische körperliche Interventionen, wie etwa die Arbeit mit der Sicherheitsstation oder die Weitergabe der Schmetterlingsmassagen von den Paaren praktisch erprobt und erfahren werden, um dann selbstverständlich in den nachgeburtlichen Alltag mit dem Säugling Eingang zu finden.

Auf der Basis dieser Schulungen der elterlichen Feinfühligkeit können spätere Problemstellungen sehr gut und leicht behoben werden. Führt z. B. eine erhöhte Unruhe des Kindes zu einer nachhaltigen Verunsicherung der Mutter, können bereits ein oder zwei Krisenberatungen den akuten Leidensdruck erheblich verbessern und die Rückkehr zur ursprünglichen Regulationsfähigkeit ermöglichen. Das liegt vor allem daran, dass durch die präventiven Elternschulungen auf bereits vorhandenes bindungsrelevantes Know-How zurückgegriffen werden kann und sich hierdurch die eingesetzten Methoden der Emotionellen Ersten Hilfe problemloser im Alltag verankern.

Ein ähnliches Ziel der Bindungsförderung und Gesundheitsschulung verfolgen die unterschiedlichen Gruppen-Konzepte, die wir im Rahmen der Emotionellen Ersten Hilfe einsetzen. In dem Konzept „Bindung durch Berührung“, welches eine systematische Weiterentwicklung der ursprünglichen Schmetterlings-Babymassage-Gruppen ist, erlernen die Eltern die von Eva Reich entwickelten schmetterlingsleichten Berührungen an ihre Säuglinge weiterzugeben. Anders als in der bisherigen Babymassage-Konzepten, in der der Fokus auf der Vermittlung einer spezifischen Abfolge von Berührungen lag, werden die Mütter und Väter jedoch in dem Modell „Bindung durch Berührung“ besonders geschult, die Zeichen für das Vorhandensein oder den Verlust ihrer inneren Kontaktbereitschaft innerlich zu begleiten und zu regulieren. Während der Gruppenzusammenkünfte lernen die Eltern, auf der Basis dieses inneren Dialoges mit den Informationen ihres Körpers, in einen lustvollen und fein abgestimmten Tanz mit ihren Babys zu treten. Letztlich vermitteln die Kursleiterinnen im Verlauf dieser Bindungsgruppen gezieltes Wissen, welches den Eltern dabei hilft, sich in akuten Stressphasen mit dem Kind zu stabilisieren oder einen verloren gegangen Beziehungsfaden zum Kind aus eigener Kraft wieder aufzunehmen. Die Prinzipien der Arbeitsinhalte unterscheiden sich im Kern nicht von denen der Krisenintervention, jedoch dienen sie in den Gruppen einzig dem Ziel, die vorhandenen Kraftquellen und das Bindungswissen der Eltern und Kinder zu stärken und weiter zu entwickeln.