Geburtsbegleitung
Wie wirkt Emotionelle Erste Hilfe im Geburtsprozess?
Der Geburtsprozess wird durch fein abgestimmte Regelkreise im hormonellen und nervlichen System der Mutter und des Ungeborenen organisiert. Diese sind an verschiedenen Stellen störanfällig.
Ein bekanntes Phänomen ist das Nachlassen der Wehentätigkeit in der frühen Phase einer Geburt bei Ankunft in der Klinik und das Wiedereinsetzen der Wehen nach einer Anpassungsphase an die neue Umgebung.
Hier hat das Nervensystem der Mutter vom parasympathischen Modus (Entspannung) in den sympatikotonen Modus (Anspannung) umgeschaltet. Das macht auch Sinn, denn der sympatikusdominante Zustand hilft der Frau, sich in der neuen Umgebung zu orientieren, von der sie ja noch nicht weiß, ob das neue Umfeld Gefahr (besser keine Geburt) oder Sicherheit (Geburt möglich) signalisiert. Nach erfolgter Anpassung an die Umgebung kann die Geburt ihren Lauf nehmen, indem sich die Wehentätigkeit wieder einstellt.
In dem gleichen Mechanismus drückt sich erhöhtes Angstaufkommen aus. Jede Hebamme weiß, dass Angst die totale Bremse für einen Geburtsfortschritt ist. Unwirksame Wehentätigkeit und/oder eine Muttermundsdystokie (verspannter Muttermund) sind Symptome für einen tiefer liegenden emotionalen Zustand der Frau, der gleichzeitig nicht ohne Folgen für das Kind bleibt.
Hier gibt es mit den Methoden der EEH einen direkten Zugang zu der Frau und ihrer aktuellen Befindlichkeit und ermöglicht ein lösendes Angebot für den Geburtsfortschritt.
Mit dem Verständnis der EEH kann der Ausstieg einer Frau aus ihrem Geburtsprozess als Reaktion auf Panik verhindert werden, sodass sich dramatische Verläufe für Mutter und Kind vermeiden lassen.
Auch zu den Schwangeren auf Station ermöglicht sich ein verständnisvoller und stresslösender Kontakt. Ein ideales Arbeitsfeld für EEH. Hebammen kennen die Elemente der EEH. Bekannte Phänomene unter der Geburt wie z.B. Angst als Geburtshindernis sowie bekannte Betreuungselemente wie Atemanleitung bekommen durch den Blickwinkel der EEH ein tieferes Verständnis und können bewusst lösungsorientiert angewandt werden. Davon können alle Beteiligten profitieren: Die Frau, ihr Kind und ihre Hebamme.
