Das Schreien des Babys führt in einem erwachsenen Menschen zu starken Stresszuständen. Dies ist insofern sinnvoll, als der menschliche Organismus vermehrt Kraft benötigt, um seine Aufmerksamkeit auf das Baby zu richten und die Ursachen des kindlichen Schreiens zu ergründen. Unter normalen Bedingungen führen die Pflegeangebote der Eltern schnell zu einer Beruhigung des Säuglings. Problematisch ist es jedoch, wenn die mobilisierten Bindungskräfte ungenutzt verpuffen: das Baby schreit weiter und lässt durch die Beruhigungsstrategien nicht beeinflussen. In diesem Fall kann die enorme Anspannung auch Grundlage von destruktiven Impulsen werden. Vor allem dann, wenn die Eltern sich in ihren Bemühungen durch das anhaltende Schreien enttäuscht und zurückgewiesen fühlen, besteht die Gefahr von gewaltvollen Impulsen gegenüber dem Baby. Viele Eltern haben in diesen spannungsreichen Schreiphasen bedrängende Phantasien, ihr Baby „an die Wand zu klatschen“ oder am „liebsten aus dem Fenster zu werfen“. In der überwiegenden Anzahl der Fälle sind es kurze Momente, wo einem etwas Derartiges durch den Kopf schießt. Obwohl bei einem gesunden Erwachsenen diese Gedanken nicht ausgeführt werden, sind sie doch bereits ein Warnzeichen, dass die Belastungsgrenzen des jeweiligen Menschen erreicht sind.
Heute weiß man, dass eine fortdauernde Stressbelastung durch das erhöhte Schreiaufkommen eines Säuglings zu den größten Gefahren für den Erhalt des Kindeswohl gehören, die derzeit bekannt sind. Schon ein kurzes, heftiges Schütteln eines Säuglings im ersten Lebensjahr bedeutet für das Baby eine lebensbedrohliche Gefahr. Das Schütteln kann sehr schnell zu massiven Schädigungen der Wirbelsäule oder zu einschneidenden Hirntraumen führen, die nicht selten tödlich ausgehen.
Sollten Sie in den Phasen, wo ihr Baby vermehrt untröstlich weint, Impulse haben, aus der Haut zu fahren, mit Jähzorn zu reagieren oder ihr Kind oder ihren Partner anschreien, ist dringend anzuraten, professionelle Hilfe aufzusuchen. Die emotionale Belastung in Schreibaby - Krisen ist für die betroffenen Eltern enorm und außen stehenden Menschen kaum mit Worten zu beschreiben. Sehen Sie die gewaltvollen Phantasien und Impulse als ein Notsignal ihres Organismus. Ihre Belastungsgrenzen sind erreicht. Im Rahmen einer Schreibaby - Beratung kann professionelles Vorgehen schon nach wenigen Sitzungen für eine emotionale Entlastung der betroffenen Eltern gesorgt werden.